Grün : im mittelalter die farbe der liebe,
             aber auch der bösen schlangen und dämonen (giftgrün)

Im Mittelalter und der Zeit der Minnesänger war Grün die Farbe der Liebe. Der Held Céladon besingt im Schäferoman "Astrée" von Honoré d'Urfé auf etwa 5500 Seiten seine Geliebte und trägt dabei ein maigrünes Gewand. In einem bekannten Minnelied heißt es (Quelle: Bruns 1997): "Grün ist allem meinen Sinn Ist der lieb ein anfing. Grün soltn allezeit haben wert, ob dein Herz dir lieb begehrt. (...) Grün soll niemant tragen, der in lieb will verzagen."

Grün war im Mittelalter nicht nur die Farbe der Liebe, sondern auch die Farbe der bösen Schlangen und Dämonen. Im alten China besaß der Drache noch eine sehr positive Bedeutung. Er symbolisierte die göttliche Macht der Umwandlung, den Rhythmus der Natur, sowie übernatürliche Weisheit und Stärke. Insofern wurde der Drache oft mit der Farbe Grün in Verbindung gebracht.

Das Christentum deutete das positive Symbol um und kreierte ein Ungeheuer, welches alle bösen und destruktiven Eigenschaften in sich vereinte. Christliche Dämonen waren drachenähnlich und besaßen grüne Hautfarbe und grüne Augen, von ihnen ging tödliches Gift und "Höllengestank" aus.

Fruchtbarkeit als Symbol für die Farbe Grün wurde zu etwas Anrüchigem, da die christlichen Sittenhüter jeden Verdacht auf eine ungezügelte Sexualität vermeiden wollten. Der Teufel - als Jäger auf die Seelen - trat in einem grünen Rock auf. Obwohl manche Künstler des Mittelalters das Kreuz Christi grün malten oder Heilige auf ihren Bildern oft grün tragen - als Zeichen der Hoffnung - existiert bis heute die Vorstellung, dass Grün zusammen mit der Farbe Gelb mit dem Begriff "Gift" verbunden ist (z. B. im Begriff "giftgrün").

Eine zusätzliche Steigerung erlitt das Grün als "Giftgrün" durch die Herstellung des "Schweinfurter Grün" im Jahre 1800. Diese Malfarbe wurde aus Grünspan und Kupferarsenit gewonnen und war eines der giftigsten Pigmente, die von den Malern jemals verwendet wurde. Nach dem Vermalen der Farbe entwickelten sich giftige Arsendämpfe, die schon Napoleon zum Verhängnis wurden. Denn Grün war Napoleons Lieblingsfarbe und die Räume seines Exils in St. Helena waren mit grüner Farbe bestrichen. Als französische Chemiker den Leichnam Napoleons chemisch analysierten, fanden sie große Mengen Arsen in seinen Haaren und Fingernägeln. Der französische Eroberer war nicht vergiftet worden, wie man ursprünglich angenommen hatte, sondern starb eines natürlichen Todes, an einer schleichenden Arsenvergiftung.

Die Bedeutung der Farbe als Hoffnungsträger und als Symbol der Erneuerung ist jedoch bis heute im Christentum erhalten geblieben. Die Karwoche beginnt mit dem Grünen Sonntag (Palmsonntag), die Fastenzeit endet mit dem Gründonnerstag. Nach einem alten Brauch isst man an diesem letzten Tag der Buß- und Fastenzeit Gemüse oder Spinat, als Symbol der Befreiung von den Sünden. Grün ist auch die Farbe der gewöhnlichen Sonntage, die Altäre der katholischen Kirchen sind an diesen Tagen mit einer grünen Decke geschmückt. Während Christus auf alten Darstellungen oft rote Gewänder trug (vgl. die Auferstehung Christi von Matthias Grünewald) und Maria blaue (vgl. die Verkündigung an Maria), erschien der heilige Geist oft als weiße Taube vor einem grünen Hintergrund.

(Thomas Seilnacht)

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