Rot als Schutz vor bösen Einflüssen und Zeichen für Glück und Wohlergehen (Rote Rosen)

Das Rotfärben von Waffen ist noch heute bei den Aborigines in Australien teilweise üblich. Man nimmt an, dass die Jäger der Steinzeit und später auch die germanischen Krieger ihre Waffen oder sogar sich selbst im Blut der erlegten Tiere tauchten, wie der Held der Siegfried-Sage.

Auch noch viele spätere Völker trugen rot bemalte Amulette oder rote Edelsteine wie den Granat oder den Rubin als Schutz vor dem "bösen Blick".

Das Tragen roter Bänder oder Tücher gehörte bei vielen Völkern zu den Hochzeitsbräuchen. Im 18. Jahrhundert heirateten in Nürnberg die reichen Patrizierinnen in einem roten Brautkleid. Diese Tradition gab es schon in der Römerzeit: Die römischen Bräute wurden mit einem feuerroten Tuch umhüllt, dem Flammeum, welches Fruchtbarkeit und Liebe garantieren sollte. Heute noch tragen in Europa die neugriechischen, die albanischen und armenischen Bräute rote Brautschleier. In China wird die Braut in einem roten Brautkleid und einer roten Sänfte zum Ort der Hochzeitsfeier getragen. Dort schreitet sie auf einem roten Teppich ihrem Bräutigam entgegen und dieser begrüßt sie, in dem er ihren roten Seidenschleier hebt. Wenn ein Kind geboren wird, überbringen die Nachbarn dem glücklichen Paar rote Eier, als Zeichen für Glück und Wohlergehen.

Die rote Rose gilt als das Symbol der Liebe und Treue. Nach der griechischen Sage sollen rote Rosen aus dem Blut des Adonis, der auf der Jagd von einem wilden Eber getötet wurde, entstanden sein. Bei den Griechen war die Rose Sinnbild für Wachsen und Vergehen in der Natur, aber auch für Liebe und Zuneigung. Sie war der Aphrodite, der griechischen Liebesgöttin und Tochter der Zeus und der römischen Göttin Venus geweiht.

Mit der Einführung des Christentums wurde die Bedeutung des Rot bei den beiden germanischen Göttern abgewertet. Aus ihnen wurde die Gestalt des Teufels mit roten Haaren und rotem Bart. Frauen mit roten Haaren galten als Dirnen oder Hexen, und die Mohnblume wurde zur Teufelsblume. Das Christentum bediente sich eines Feindbildes und versuchte die Sexualität, mit der die Farbe Rot ebenfalls assoziiert wurde, zu verteufeln. Die Haare der Maria (früher oft rot dargestellt) wurden blond. Alte Sprichwörter besagen: "Rotes Haar, böses Haar!" oder "Roter Bart - Teufelsart!" Diese diskriminierenden Vorstellungen sind bis heute bei einigen Mitgliedern der Landbevölkerung lebendig geblieben.

(Thomas Seilnacht)

 

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Rot als statussymbol