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was ist farbe?    oder    "in der nacht sind alle katzen grau"
... stimmt... denn farbe gibt's gar nicht in der natur, trotzdem ist jedem kind klar, was rot, blau oder gelb ist

wie können wir also etwas sehen, das es gar nicht gibt?

farbe beginnt erst zu existieren, wenn das system auge/gehirn den sinneseindruck "farbe" erzeugt...
das licht wird auf der netzhaut des auges als farbreiz wahrgenommen und im gehirn zu einer farbempfindung verarbeitet...

oder anders: der himmel ist blau, weil wir ihn so sehen.... und in der nacht sehen wir halt nichts, weder katzen noch den himmel...
eigentlich ganz einfach... wie kompliziert dieser vorgang aber dennoch ist, erläutert thomas seilnacht sehr verständlich auf seiner seite

nachdem wir uns jetzt genug verwirren haben lassen ;-) gleich zu den FARBEN selbst:


malerei und fotografie
, was haben sie vor allem gemeinsam?
das einfangen des lichts und FARBEN !
in der malerei gibt es wenige beispiele, in denen bewusst auf farbe verzichtet wird...
hier gleich zwei von piet mondrian, der ansonsten in seinen bildern der farbe an sich die hauptrolle gegeben hat:
an die stelle von farbe treten grafische elemente und/oder strukturen

grey tree

um ihre gefühle, gedanken, ihre wirklichkeiten auszudrücken, bedienen sich maler/innen in überwiegender mehrzahl der farben
wir kennen tizians leuchtende farben vor dunklem hintergrund und wer kennt nicht das gelb der sonnenblumen van goghs?

auch wenn die schon totgeglaubten SW-filme eine renaissance erleben, wenn man aus künstlerischen gestaltungsgründen bewusst auf farbe verzichten will, weil man das hauptgewicht etwa auf grafische elemente, strukturen, das spiel von licht und schatten legt, bleibt doch farbe in der fotografie ein wesentliches gestaltungselement...

wie sonst lässt sich die buntheit des lebens, lassen sich die empfindungen, die mit der wahrnehmung von farben verbunden sind, wiedergeben...?

zur demonstration der wirkung von farben ganz allgemein möchte ich zunächst bei piet mondrian bleiben, da sich die "reinen" farben dieser beispiele am besten dafür eignen und überdies keinerlei gegenständliches von den farben ablenkt ...


die drei (reinen) grundfarben rot, blau und gelb: es fällt auf, dass links rot und gelb zusammen flächenmäßig einen geringeren raum einnehmen als blau, dennoch hat man den eindruck von ausgewogenheit
rot und gelb sind "wärmere" farben als blau, das "kühl" wirkt ...

warme farben wirken unmittelbar auf das gefühl und damit intensiver...
im rechten bild hingegen, wo die flächenzuteilung tatsächlich ziemlich "gerecht" erfolgt ist, beherrschen die warmen töne das bild...

bei diesen beiden beispielen überwiegt die "farblose" fläche, dennoch "zieht" es das auge zu den farbigen rechtecken...

so klein diese auch sind, wieder wird links der eindruck der ausgewogenheit trotz sehr kleiner gelber fläche hervorgerufen und rechts der gesamteindruck "warm"

 

mondrian hat nicht nur "reine" farben verwendet, aber auch bei mischungen dasselbe prinzip:
in beiden fällen überwiegen die warmen töne
rechts fehlt zwar rot, aber gelb mischt sich mit blau zu einem warmen grün

jetzt aber zu einem ganz anderen: wassily kandinsky
auch hier ausgewogenheit in der farbverteilung, dennoch gesamteindruck "warm"

ein ziemlich gegenständliches bild von kandinsky (autumn in bavaria) bringt herbststimmung mit warmen farben...
kühl sind bloß die schatten...
ganz anders dieses: es heisst zwar "yellow red-and blue", ist aber blaudominiert
das mit blau vermischte rot wirkt viel kühler als das reine oder mit gelb verschmischte...
einzige warme farbe, die auffällt: gelb, dort wo es halbwegs unvermischt scheint, ist es mit blau zu einem grünlichen farbton vermischt (rechter rand), wirkt es schon viel kühler...
die "small pleasures" (=kleine freuden) hingegen wirken durchwegs warm...

dass die wirkung von farben sehr stark vom hintergrund bestimmt wird,
wissen wir spätestens seit tizian, der seine farben vor dunklem hintergrund zum leuchten brachte
kandinsky stellt sie mit seinem bild "on white" (links) vor weissen hintergrund

um die unterschiedliche wirkung zu demonstrieren, habe ich mir erlaubt, den weissen hintergrund einfach durch einen schwarzen zu ersetzen... die farben selbst habe ich unverändert gelassen..

ein ergebnis, das ohne worte genug über die kontrastierende wirkung des hintergrunds von farben aussagt...

weitere interessante details zu den farbkontrasten findet sich bei thomas seilnacht
außerdem informationen über licht und farbe, auge und gehirn, farbsysteme, farbsymbolik, farbe in der kunst...
und weil er chemielehrer ist, auch noch über pigmente und farbstoffe...